Design

XC90 präsentiert: … nachhaltiges Design

Brandon Clifford betreibt das Architekturstudio Matter Design und lehrt an der MIT School of Architecture. Im Rahmen einer Artikelreihe zum Thema nachhaltige Innovation besuchen wir ihn mit dem XC90 in Boston und erfahren, dass die Architekten der Zukunft viel von den Erbauern der Vergangenheit zu lernen haben.


INTERVIEW: IAN DICKSON | FOTOS: ANDREW SHAYLOR

The Cannibal’s Cookbook: Steinzeitmethoden für die moderne Architektur

Bei Ihrer Arbeit befassen Sie sich viel mit der Vergangenheit, wie kommt das?

«Meine Forschungsarbeit am MIT [Massachusetts Institute of Technology] hebt Wissensschätze der Vergangenheit, um unsere Zukunft zu verändern. Wir blicken etwa in die Steinzeit, ob es damals vielleicht eine bessere Art zu bauen gab, die in Vergessenheit geraten ist. Ich glaube, die Zukunft der Architektur ist der Vergangenheit sehr ähnlich. Ideen zur Nachhaltigkeit werden oft im Keim erstickt, weil es immer heisst, alles müsse leichter, dünner und damit moderner werden, aber die Geschichte lehrt uns, dass «nachhaltig» auch sehr massiv und solide sein kann.

Wie zeigt sich das im alltäglichen Design?

«Heute recyceln wir unsere Baustoffe nicht. Eine Abbruchstelle besteht heute zu 99 Prozent aus Beton, Steinen oder Ziegeln, und trotzdem schaffen wir es immer noch nicht, das Material wieder für neue Gebäude zu nutzen. Stattdessen wird es auf Deponien abgeladen. Auf jeden Beutel Abfall, den Sie im Monat wegwerfen, kommen zwei weitere, die die Bauindustrie anteilig für Sie produziert. Wenn wir aber in die Vergangenheit schauen, hat jede Zivilisation Wege gefunden, Baustoffe wiederzuverwenden. Der Petersdom in Rom besteht zum Teil aus Bausteinen des Kolosseums.»

Sie haben gerade ein Buch über Architektur geschrieben mit dem Titel The Cannibal’s Cookbook [Das Kochbuch des Kannibalen]. Erzählen Sie uns doch davon.

«Also, Rom ist ja nur ein Beispiel von vielen für die Aufbereitung von Bauschutt im Zuge des ständigen Umbaus, wie er Städte auszeichnet. Wir haben uns als Forschungsgruppe Momente in der Vergangenheit vorgenommen, wo das mit intelligenten Verfahren angegangen wurde. Diese Rezepte haben wir herausgefiltert, zu dem «Kochbuch» eingedampft und der Welt präsentiert mit der Anregung «Hier habt ihr einen Weg, euren Bauschutt zu recyceln».»

Wie funktioniert das denn in der Praxis?

«Wir haben das auch demonstriert und eines unserer eigenen Projekte mit dieser Methode errichtet. Es ist aus Abfallsteinen und Beton gebaut, die für die Deponie bestimmt waren. Wir haben das Material digital gescannt, Algorithmen darüberlaufen lassen, die aus der Steinbauweise der Inka stammen und mit diesem Wissen ein neues Stück Architektur geschaffen. Eine alternative und uralte Art zu denken, aber sehr nachhaltig und intelligent, finde ich. Das ist die Zukunft der Architektur, aber sie sieht genauso aus wie die Vergangenheit.»

Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Rolle von Architekten verändern?

«Auf einer Baustelle im Mittelalter könnten wir keinen Architekten ausfindig machen. Damals gab es den Baumeister. Architekten sind heute für die Gesamtdarstellung architektonischer Vorhaben zuständig. Sie machen Zeichnungen, die dem Bauunternehmer zeigen, wie das Gebäude aussehen soll, haben aber keine Kontrolle über die tatsächliche Umsetzung. Die liegt in der Hand des Bauunternehmers. Das war in der Architektur aber nicht immer so. In der Vergangenheit gibt es zahlreiche Epochen, in denen beides in einer Hand lag. Und gerade, wenn Denker und Macher dieselbe Person sind, entstehen besonders beeindruckende Bauwerke.

«Nehmen wir zum Beispiel die gotischen Kathedralen. Die Steinmetze, die sie erbaut haben, hatten als Handwerksmeister eine gewisse Autonomie. Jede Säule ist einmalig, weil sie von verschiedenen Handwerkern gemacht wurden. Und bei der digitalen Produktion passiert auch gerade Erstaunliches, diese Beziehung zwischen Entwurf und Konstruktion von Objekten wird komplett umgekrempelt. Wir haben gerade sehr aufregende Zeiten für Architekten. Und bei Matter Design schauen wir in die Vergangenheit, um beim Planen einer besseren Zukunft zu helfen.»

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