Lifestyle

Ein Leben auf See

Ein Leben auf See

Dreimal ist Martin Strömberg das Volvo Ocean Race gesegelt und ist damit einer der erfahrensten Segler Schwedens. Als er 2011/12 das Rennen gewann, wurde ein Traum wahr, der schon im Alter von zehn Jahren begonnen hatte. 

Made in Sweden

Aufgewachsen auf der schwedischen Insel Orust, war Martin Strömberg nie weit weg vom Wasser. Als Kind verbrachte er die Sommer im Landhaus seiner Grosseltern an der schwedischen Westküste, und seine Bindung zum Meer wurde dadurch noch stärker. Es war also wohl einfach Schicksal, dass Martin Segler wurde. 

In einem Sommer meldeten seine Eltern ihn zu einem einwöchigen Segelkurs an, um ihm eine Freude zu machen. Er war begeistert, und seitdem hat er eigentlich nie mehr mit dem Segeln aufgehört. 

Begegnung mit dem Rennen

Mit seinen langen Küsten und der noch längeren Segeltradition ist Schweden der beste Ort zum Aufwachsen für einen segelbegeisterten Jungen. Und bald begegnete Martin dem Rennen, das sein Leben verändern sollte.

«Ich habe das Volvo Ocean Race entdeckt, als ich zehn war. Da war ein schwedisches Boot, die Intrum Justitia, und ich habe alles genau im Fernsehen verfolgt. Von diesem Moment an war mein Ziel, am Rennen teilzunehmen und es zu gewinnen.» 

Im Jahr 1993/94, als die Intrum Justitia dabei war, lernte Martin nicht nur das Volvo Ocean Race kennen, sondern auch ein paar seiner zukünftigen Helden – die berühmten schwedischen Segler Magnus Olsson, Roger Nilsson und Gurra Krantz. 

«Magnus und Roger sind einfach Giganten», meint Martin, «jeder Segler kennt die beiden». Im Laufe der Jahre lernte Martin dann noch mehr grosse schwedische Segler kennen und wurde von ihnen beeinflusst, wie den Segelsportler und Industriedesigner Pelle Pettersson. 

«Pelle war nicht nur ein hervorragender Segler», erklärt Martin, «er hat auch eines meiner Lieblingsmodelle von Volvo entworfen, den P1800.»  

Bei dieser Kindheit mitten zwischen den grossen Segelsportlern Schwedens ist es kein Wunder, dass es den zehnjährigen Martin auch hinaus auf die Wellen zog. 

Eine Seglerkarriere beginnt

Martins Segelausbildung begann mit einem Stipendium an der Segelakademie Lerum nahe Göteborg. Nach seinem Abschluss arbeitete Martin zunächst als Segelmacher, und in seiner Freizeit verbrachte er jede freie Minute draussen auf See und vervollkommnete seine Segelkünste. Diese harte Arbeit, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen sollten sich später auszahlen. 

An der Segelakademie in Lerum hatte Martin gelernt, die verschiedensten Boote zu segeln – vom Laser (kleine Einhandjolle für Rennen) bis zu grösseren Kielbooten. Und auf diesen grösseren Booten entwickelte Martin dann seine Leidenschaft für das Matchracing. 

Er nahm an so vielen Rennen teil wie nur möglich, und dann, im Jahr 2004, am Volvo Baltic Race. Hier hatte Martin zum ersten Mal Gelegenheit, einen Volvo Ocean Racer zu segeln – sein Traum, beim Volvo Ocean Race dabei zu sein, kam immer näher. 2008 schliesslich wurden all seine Mühen und Anstrengungen belohnt, als er sich stolz in die Startlinie zur Ausgabe 2008/09 des Rennens einreihte, ein Mitglied im schwedischen Team Ericsson. 

«Mein Traum ist, an der Spitze in Göteborg einzusegeln, mit vielen grossartigen schwedischen Nachwuchsseglern an Bord.»

MARTIN STRÖMBERG

Segler

Segeln unter Extrembedingungen

Als Mitglied im schwedischen Team Ericsson erfuhr Martin bald am eigenen Leib, wie extrem das Leben an Bord sein kann, wenn man sich einer Herausforderung stellt wie dem Volvo Ocean Race.

«Wer zum ersten Mal am Volvo Ocean Race teilnimmt, hat keine Ahnung, worauf er sich einlässt. Man kann sich darauf kaum vorbereiten», erklärt Martin.

Die Suche nach dem «wahren Klang»

«Während des Rennens hatten wir viel mit stürmischem Wind und hoher See zu kämpfen. Aber am Schlimmsten war, als wir bei einer Etappe nach China einen ziemlich schweren Schaden am Boot hatten. Wir entdeckten ein Loch im Rumpf, schnell strömte Wasser ein, und das Boot begann zu sinken.» 

Was jedoch dann passierte, war noch viel bemerkenswerter. Nachdem sie es geschafft hatten, das Boot sicher an Land zu bringen, nahm das Team an, das Rennen sei für sie gelaufen – aber bei Beginn der Reparaturarbeiten zeigte sich, dass sie doch weiterfahren konnten. Und unglaublicherweise schafften sie noch weit mehr: Kaum war das Boot repariert, setzten sie Segel und beendeten die Etappe erfolgreich. 
 
Nun hatten sie den Wind in den Segeln, und am Ende der folgenden Etappe lagen sie an erster Stelle. Nach so einer katastrophalen Situation weiterzumachen und dann die längste Etappe in der Geschichte des Rennens zu gewinnen, war eine unglaubliche Leistung und ist ein perfektes Beispiel dafür, was es braucht, um beim Volvo Ocean Race erfolgreich zu sein: Teamarbeit, Können und Begeisterung.

Auf zur nächsten Herausforderung

Seit seinem aufregenden Debüt 2008/09 ist Martin das Volvo Ocean Race noch dreimal gesegelt, und der unbestrittene Höhepunkt kam 2011/12, wo er als Mitglied des Teams Groupama das Rennen gewann. Der Traum des Zehnjährigen, der im elterlichen Wohnzimmer die Regatta im Fernsehen verfolgte, war in Erfüllung gegangen.

Und was kommt für Martin als Nächstes? Er ist wie immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen, und die nächste wird sein, noch mehr Nachwuchs in Schweden für das Segeln zu begeistern.

«Ich bin sehr stolz, aber auch traurig, der einzige schwedische Segler im Rennen zu sein. In Schweden gibt es nämlich viele Segeltalente, und wir müssen nur ein paar Nachwuchsseglern die Gelegenheit geben, diese Boote kennenzulernen und zu segeln», meint Martin. 
«Mein Traum ist, an der Spitze in Göteborg einzusegeln, mit vielen grossartigen schwedischen Nachwuchsseglern an Bord.»

Mit einem Pionier wie Martin als Vorbild ist dieser Tag vielleicht gar nicht so weit entfernt.