Weisse Franzosen im Berner Jura

Pferdeverrückte wissen schon lange, wo das Glück der Erde liegt: auf dem Rücken ihrer heissgeliebten Vierbeiner. In der Schweiz kommt man, wenn es um Pferde geht, nicht um den Jura herum. Hier befindet sich die Wiege der letzten ursprünglichen Schweizer Pferderasse, dem Freiberger. Die kompakten, meist braunen Pferde sind es auch, die auf den weitläufigen Weiden des Juras das Bild dominieren. Rund um den Weiler Fornet-Dessous im Berner Jura mischen weisse Farbtupfer das ansonsten sehr einheitliche Bild der grasenden Vierbeiner auf.
Deutlich kleiner, aber immer noch kräftig gebaut, mit kurzen Hälsen und steilen Schultern knabbern die Exoten an den grünen Halmen, ganz ohne von der speziellen Fähigkeit Gebrauch machen zu müssen, die sie dank ihrer Herkunft haben: Denn bei den weissen Pferden, die rein grössentechnisch schon an der Grenze zum Pony liegen, handelt es sich um Camargue-Pferde.

Ihr natürlicher Lebensraum sind die zahlreichen Lagunen und Sumpfgebiete dieser Region im Süden von Frankreich, und damit sie auch im seichten Gewässer genügend Nahrung finden, können sie ihre Nüstern verschliessen und so ungestört unter Wasser den Algen an den Kragen gehen. Abtauchen müssen die Camargue-Pferde vom Reiterhof Mas du Sapin im Jura nicht, und auch für Stierkämpfe müssen sie nicht antraben. Und während den Pferden in der Camargue der Mistral die Mähnen zerzaust, stellen sie hier – ob weiss oder braun – die Kruppe gegen den Joran, der durch die Täler und über die Jurakämme fegt.

Aktivitäten rund um die Destination

(1) Ausritt: Auf dem Rücken eines Camargue-Pferdes einen Tag lang die Landschaft erleben. (2) Entspannung: Die müden Muskeln in der Sauna und im Sprudelbad des Mas du Sapin lockern. Danach am Gästetisch speisen und erschöpft ins Bett fallen. (3) Kunst im Kloster: Am nächsten Tag eine Ausstellung in der Abteikirche des ehemaligen Klosters in Bellelay besuchen. (4) Fliegende Drachen: Auf dem Naturlehrpfad Libell’lay an Teichen, Flüssen und Torfmooren entlang spazieren und Wissenswertes über Libellen erfahren. (5) Mönchskopf: Im Maison de la Tête de Moine in die Geschichte des berühmten Käses eintauchen, der in der gegenüberliegenden Abtei vor 800 Jahren erstmals gefertigt wurde. Dann im Museumscafé den Tag bei einer Käseplatte und einem Glas Wein ausklingen lassen.

Camargue

Essen & Trinken

Der tiefrote Camargue-Reis verdankt seine unverwechselbare Farbe dem tonhaltigen Boden, auf dem er im Süden Frankreichs angebaut wird. Der herkunftsgeschützte Reis ist auch in Spezialitätenläden in der Schweiz erhältlich und wird zum Abschluss nach dem Kochen am besten mit einer Prise grobkörnigem Fleur de Sel aus den vielen Salinen der Camargue gewürzt.

Diverses

Sich ganz in rosa gekleidet auf ein Bein stellen und sich wie ein Flamingo fühlen, die sich im seichten Wasser des Naturschutzgebietes äusserst wohlfühlen.

Kunst

Der niederländische Maler Vincent van Gogh lebte rund 16 Monate in der französischen Stadt Arles und schuf in dieser Zeit zahlreiche Werke, darunter auch mehrere Abbildungen vom Meer, Strand und Hafen von Saintes-Mariesde-la-Mer, der «Hauptstadt» der Camargue.

Literatur

Die Schriftstellerin Federica de Cesco, die seit vielen Jahren in der Schweiz lebt, hat seit ihrem 1957 erschienenen Erstling «Der rote Seidenschal» unzählige Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbücher geschrieben. Die Schauplätze ihrer Romane sind auf dem gesamten Erdball verstreut und mehrere ihrer Geschichten spielen sich in der rauen Landschaft der Camargue ab, so zum Beispiel «Im Wind der Camargue» oder «Mari reitet wie der Wind».

Danksagung und Credits

Headerbild: Mas Du Sapin, camargue.ch, 1. Bild: Mas Du Sapin, camargue.ch, Karte: @swisstopo (JMI190029), Illustrationen: Atelier Cartographik, cartographik.com, Texte: Transhelvetica