Zwischen da und dort

Steht der Reisende auf dem Affenfelsen von Gibraltar, sieht er: zwei Meere, zwei Kontinente, drei Länder. Gibraltar – man glaubt, die Ferne beginne in diesem Namen. Geht man in Goumois weiter, kommt das Ende der Schweiz. Goumois, das klingt genauso wenig nach Schweiz, wie Gibraltar nach Grossbritannien. Goumois, das ist ein Grenzort, eines der kleinsten Dörfer im Jura, politisch gehört es zu Saignelégier. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde das Dorf getrennt – der Doubs, der leise durch den Ort fliesst, wurde zur Landesgrenze.
Und Goumois zu zwei Dörfern. Einem in Frankreich und einem in der Schweiz. Obwohl die Dörfer seither getrennt sind, teilen sie sich bis heute die Infrastruktur. Die Kinder gehen in der Schweiz in die Schule und die Kirchengänger in Frankreich ins Gotteshaus. Es ist ein Ort zwischen da und dort. Ein Ort, an dem die Menschen manchmal im selben Satz zwei Sprachen sprechen. Nicht Englisch und Spanisch, wie in Gibraltar, dafür Deutsch und Französisch.

Noch eine Gemeinsamkeit lässt sich finden: der Affenfelsen! Gehört der Felsen von Gibraltar zu den weltweit berühmtesten – auch wegen den Berberaffen, die dort leben –, steht der wahre Affenfelsen im Jura. Während auf Gibraltars Felsen die einzig wilde Affenpopulation Europas lebt, wacht der Affe von Goumois stolz und treu und zu Fels geworden. Anders als die kleinen Berberaffen in Gibraltar, die regelmässig Touristen beissen, ist der Affe von Goumois zahm und gutmütig und lässt Besucher sogar auf seinen Kopf steigen und von dort die wunderbare Aussicht am Ende der Schweiz geniessen.

Aktivitäten rund um die Destination

(1) Grenzdorf: In Goumois im Auberge-Restaurant du Theusseret in den Tag starten. Der Gasthof, der direkt an einem Wasserfall liegt, hat übrigens auch Gästezimmer. (2) Fussmarsch: Gemütlich Richtung Saignelégier wandern. Auf dem Weg beim Affenfelsen vorbeischauen und sich dabei von den wunderschönen Plätzen am Doubs regelmässig zum Verweilen einladen lassen – Badehosen einpacken! Ein Abstecher wert ist auch der Bief de Vountanaivre, ein Wasserfall in einem Felsenkessel. Oder das Château de Cugny, ein Felsen, der wie ein versteinertes Schloss aussieht und mit etwas Fantasie an Moorish Castle auf Gibraltar erinnert. (3) Sonnentanken: Sich am Ziel in Saignelégier im Café du Soleil für den Heimweg stärken. Und falls eine der regelmässig durchgeführten kulturellen Veranstaltungen zum Bleiben verleitet ... Es hat Gästezimmer. (4) Mitnehmen: Im Marché des Paysannes sich mit lokalen Spezialitäten eindecken, um so ein Stück Jura mitzunehmen.

Gibraltar

Diverses

Dürrenmatts Hörspiel «Herkules und der Stall des Augias» schnappen, zwei Säulen suchen und darin die Hängematte spannen.

Essen & Trinken

In Gibraltar gibt es etwas, das auf der ganzen Welt einzigartig ist: Das Rollfeld des Flughafens führt über eine Autostrasse. Ist die Barriere unten, kommt kein Zug, sondern eben ein Flugzeug. Als Proviant passt Fish und Chips und ein Glas Sangria – ganz im Sinne der länderübergreifenden Verständigung. Dasselbe Spiel geht auch mit Safran-Paella mit Gin oder Meeresfrüchten mit Schwarztee.

Natur

In Gibraltar herrscht Mittelmeerklima. Aber manchmal toben und zischen und fauchen die Winde um die Wette: Aus dem Atlasgebirge im Osten der Levante und aus der Sierra Nevada im Westen der Poniente. Braut sich der nächste Föhnsturm zusammen oder wirbelt kalte Luft durch schwüle Sommertage: Auf einen grossen Stein steigen, Augen schliessen und nach Gibraltar reisen.

Literatur

«Mann schmeisst Hund auf Bär», heisst der vielversprechende Buchtitel aus der Feder des Schriftstellers Misha Verollet, der in Gibraltar geboren ist und neben Poetry Slam auch Synth-WaveMusik produziert.

Danksagung und Credits

Headerbild: Mas Du Sapin, camargue.ch, 1. Bild: Mas Du Sapin, camargue.ch, Karte: @swisstopo (JMI190029), Illustrationen: Atelier Cartographik, cartographik.com, Texte: Transhelvetica