Wo das Land aufhört

Wenn der Wind auffrischt und der kleine Leuchtturm rotes Licht ins Nichts wirft, dann fühlt es sich an, als ob die Nordsee zum Oberalppass hinauf wogen würde. Der Oberalppass ist ein grosszügiger Übergang: breit und weit, mit Sicht aufs Wasser hinaus. Allerdings sind die Dimensionen des Oberalpsees überschaubar und rechtfertigen kaum den Bau eines Leuchtturms. Was macht der also hier oben auf 2044 Metern Höhe? Auf der Suche nach Antworten stossen wir auf Otto Jolias Steiner. Der kreative Querdenker aus Sarnen entwickelt für seine internationalen Kunden Raumerlebnisse, die Freude machen: Seine Installationen sind nicht einfach selbstverliebte «Positionen», sondern kluge Kunstwerke, die auf liebevolle Art und Weise eine Geschichten erzählen.
Etwa diejenige vom Rhein, als dessen Quelle landläufig der Lei da Tuma genannt wird. Vor dem Bau des Leuchtturms war dies nur wenigen Leuten klar. So entstand die Idee, ein ausrangiertes Lastschiff von 100m Länge nach einem langen Leben auf dem Rhein hier zur Ruhe kommen zu lassen. Bis Basel hätte es schwimmen dürfen, dann hätte man es in 30 Scheiben geschnitten und per Konvoi auf 30 Lastwagen in der richtigen Reihenfolge dem Rhein entlang auf den Pass gefahren.

Oben angekommen wären die Schiffscheiben rund um die Passhöhe arrangiert worden und würden heute vom Leben weiter unten am Fluss berichten. Als der Neat-Durchstich bevorstand und 120 Journalisten aus aller Welt nach Sedrun reisten, war die Finanzierung des Projektes noch nirgends. So entschlossen sich die Initianten rund drei Monate vor dem grossen Tag spontan für den Plan B: den Leuchtturm. Das Schiff wurde solange in die Warteschlaufe geschickt.

Aktivitäten rund um die Destination

(1) Vom Wohnmobil-Standplatz neben dem Leuchtturm führen zahlreiche Wanderwege ins tosende Hochgebirge. (2) Die Rheinquelle beim Tomasee ist nur 1.5h vom Pass entfernt. (3) Wer nur einen Tag hat, gönnt sich den Rundweg über den aussichtsreichen Pazolastock und die gemütliche (4) Badushütte. (5) Abenteurer mit mehr Zeit ziehen danach weiter entlang dem Vier Quellen-Weg zur Vermigelhütte. Die gesamte Route ist 85km lang und führt in 5 Tagesetappen zum Ursprung von Reuss (Lucendropass), Ticino (Nufenenpass) und Rhone (Rhonegletscher). Als Wegzehrung empfehlen wir feine Backwaren von (6) La Conditoria in Sedrun oder Urner Spezialitäten aus der (7) Metzgerei Muheim in Andermatt. Wer in Klompen unterwegs ist, bestellt in der (8) Ustria Alpsu feinen Capuns.

Holland

Architektur

Der holländische Stararchitekt Rem Kohlhaas hat im Hotel Furkablick unweit der Passhöhe seine Spuren hinterlassen. Ein guter Grund für einen Kaffeehalt.

Kunst

Die Holländer sind von Hieronymus Bosch über Rembrand und Van Gogh bis zu M.C. Escher begnadete Maler, deren Werke man auch in den heimischen Kunstmuseen bewundern kann. Einer der genannten war sogar mit einer Schweizerin verheratet

Diverses

Um einen richtig holländischen Tag zu erleben, empfehlen wir orange Kleidung, lustige Brillen und Perücken, denn die Holländer sind eigentlich stets partybereit. Wer mit dem Auto und vielleicht sogar noch mit einem Wohnwagen im Schlepptau anreist: unbedingt sehr langsam fahren.

Musik

Leider mag der Holländer Techno und Gabber. Auch Heintje gehört zur holländischen Musikgeschichte. Doch mit dem Kilimanjaro Darkjazz Ensemble und den schrummelnden Blaudzun finden sich zwei junge Bands, die uns hoffen lassen. Und natürlich das schöne Stück «In the dutch mountains» von The Nits.

Danksagung und Credits

Headerbild: Jon Bollman, Transhelvetica, 1. Bild: Jon Bollman, Transhelvetica, Karte: @swisstopo (JMI190029), Illustrationen: Atelier Cartographik, cartographik.com, Texte: Transhelvetica