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Was gutes Design mit Logik zu tun hat. Oder wieso Skandinavien in allen Volvo Modellen steckt.
Elektrifizierung
ES90

Florian Mockenhaupt, Director Exterior Design bei Volvo Cars, verantwortet mit seinem Team die Formensprache des Volvo ES90.
Mehr zum Volvo ES90Torslanda bei Göteborg, ein wechselhafter Frühlingstag an der schwedischen Westküste. An diesem Ort ist Volvo zu Hause. Neben dem Hauptquartier befindet sich das Besucher- und Konferenzzentrum „Volvohallen“, und hier steht er bereit: breite Schultern, fließende Linien, souveräne Präsenz – der neue Volvo ES90. Das Licht spielt auf den klar gezeichneten Formen der fünf Meter langen Limousine, der changierende Lack Aurora Silver lässt hin und wieder einen Hauch von Violett erahnen.
„Macht schon was her, oder?“, fragt Florian Mockenhaupt zur Begrüßung. Er ist Director Exterior Design bei Volvo Cars – und der Mann, der mit seinem Team die Formensprache des Volvo ES90 verantwortet. „Das ist nicht einfach ein neues Modell“, sagt Florian mit einer umfassenden Geste. „Der Volvo ES90 ist unsere Antwort auf die Frage, wie Premium-Mobilität im elektrischen Zeitalter aussieht – und sich anfühlen soll.“

Eine neue Lichtsignatur kennzeichnet das Heck des Volvo ES90. Die C-förmigen Rückleuchten werden durch LED-Leuchten in der Heckscheibe ergänzt, auch als moderne Reminiszenz an frühere Volvo Ikonen.
Vollelektrisch, erstmals mit 800-Volt-Ladetechnik, ein großzügiger und höchst komfortabler Innenraum und intelligentes Infotainment der neuesten Generation. Die neue Luxuslimousine von Volvo verbindet Komfort mit technischer Raffinesse. Mit einem Design, das Haltung zeigt. Der Volvo ES90 soll nicht dominieren, sondern überzeugen. Ohne Lärm. Ein Auto, das Luxus durch Klarheit vermittelt.
Was ist eigentlich gutes Automobildesign?
Für Florian ist die Antwort klar: „Ein gutes Design erkennt man daran, dass man sich nicht daran sattsieht, dass es auch nach Jahren gut aussieht“, sagt er. „Und dass es einem sofort ein Gefühl gibt – im Idealfall: Sicherheit, Ruhe, Selbstverständlichkeit.“
Für Volvo heißt das eben auch: ein Auto, das präsent ist, weil es Substanz hat. „Ehrliches Design ist das Stichwort“, sagt Florian. „Nicht viel Firlefanz, kein Blendwerk. Wenn ein Element am Auto keinen funktionalen oder gestalterischen Sinn hat, dann lassen wir’s weg.“ Understatement statt Übertreibung. Die Wertigkeit, auch des Designs, ist einer der Gründe, weshalb Volvo Fahrzeuge auch nach vielen Jahren noch einen sehr hohen Restwert haben.

Das Design des Volvo ES90: Simpel im Sinne von logisch. Und wir reden nicht über Mathematik.
Seit sieben Jahren ist der deutsche Designer bei Volvo – und das aus Überzeugung: „Skandinavisches Design ist schlicht, reduziert auf das Wesentliche. Und simpel im Sinne von logisch. Du schaust es an, verstehst es sofort, das Design erschließt sich auf den ersten Blick – genau so muss es aussehen. Diese Klarheit zieht sich durch das gesamte Designverständnis der Marke Volvo. Mir persönlich liegt das sehr, eben diese logische, nachvollziehbare Gestaltung von Autos.“
Florian blickt durch die raumhohe Glasfassade hinaus auf ein kleines Waldstück und zitiert einen Designkollegen, der die reduzierte Gestaltung „Scandinavian Zen“ nenne, weil das Design bei Volvo auch die Lebensart in Skandinavien widerspiegele. „Wo man öfter zum Meer rausfährt, in den Wald geht, auch nur mal in der Mittagspause, um einfach mal durchzuatmen. Und danach streben wir auch bei Volvo: dass es dich eben nicht aufregt, wenn du das Auto anschaust, sondern du runterkommen kannst, es dich eher beruhigt. Autodesign, das im Alltag genauso wohltuend wirkt wie an der Küste vor Göteborg.“
Sicherheit, Zeitlosigkeit, Reduktion – und immer steht der Mensch im Mittelpunkt. Das sind die Konstanten im Volvo Design. Florian bringt es auf den Punkt: „Unser Ziel ist, dass ein Auto dein Leben besser macht – und nicht komplizierter.“

Die Frontgestaltung nennt sich „Gesichtsarbeit“ – und das ist wörtlich zu nehmen.
Der Volvo ES90 ist die eleganteste Limousine, die Volvo je gebaut hat
Und genau darin lag für Florian die Herausforderung – und der Reiz. „Es macht wahnsinnig Spaß, an einem Fahrzeug mit so großzügigen Proportionen zu arbeiten“, sagt er und umschreibt mit seinen Händen die Silhouette. „Große Räder, breite Spur, flaches Dach – das sieht schnell gut aus, weil die Grundform stimmt. Da kann man als Designer richtig gestalten.“
„Ein Volvo muss nicht laut sein, um Eindruck zu machen. Er muss klar sein. Und menschlich.“
| Florian Mockenhaupt
Dennoch: Eine Luxuslimousine ist kein Spielplatz für Experimente. Sie soll souverän wirken, nicht verspielt. „Der Volvo ES90 ist Premium, aber ohne Überheblichkeit“, betont Florian. „Er soll nicht rufen: Schaut her und seht, was ich alles kann! Sondern eher sagen: Ich bin da.“
Diese Haltung zeigt sich besonders an der Frontpartie – für Florian der stärkste Teil des Fahrzeugs und sein persönlicher Favorit. Der massive geschlossene Kühlergrill, der „Volvo Schild“, erinnert an ein Wappen. „Der Schild symbolisiert Schutz und Sicherheit. Er wirkt wie eine Rüstung – und gibt dir das unbewusste Gefühl: Dieses Auto beschützt dich.“
Auch die Frontleuchten unterstützen den selbstbewussten Auftritt: Die markante Lichtsignatur im Thors-Hammer-Design wurde weiterentwickelt, die Linienführung noch strenger und präziser, die Konturen der Scheinwerfer zeichnen jetzt jeweils selbst einen Hammer. „Man erkennt sofort: Das ist ein Volvo – und zwar einer, der Herr der Lage ist“, erklärt Florian. Und das mit einer ruhigen Autorität.

Wie Design Werte sichtbar macht: Selbstbewusstsein und Sicherheit signalisiert bereits die Front der neuen Limousine. Die überarbeiteten Scheinwerfer im Thors-Hammer-Design unterstreichen dabei die moderne Volvo Identität.
Neben dem optischen Eindruck spielte in der Entwicklung auch die Aerodynamik eine zentrale Rolle. Elektroautos müssen effizient sein, um Reichweite zu maximieren – und das Design des Volvo ES90 wurde genau darauf ausgelegt. Eine fließende Silhouette und ein präzise über das Fahrzeug geführter Luftstrom – der Volvo ES90 erreicht den bislang niedrigsten Luftwiderstandsbeiwert (cW-Wert) aller Volvo Modelle. „Man sieht es dem Auto vielleicht nicht sofort an, aber der Fokus auf Aerodynamik war sehr groß“, betont Florian.
Auch in der Seitenansicht wird diese Balance spürbar: fließende Linien, ein lang gestrecktes Dach, ein fast coupéhafter Verlauf bis zum kurzen Heckdeckel. „Wir haben auch viel Wert auf die Seitenansicht gelegt“, sagt Florian. „Weil die Leute ein Auto im Alltag oft genau so wahrnehmen – im Vorbeigehen, im Stau, auf dem Parkplatz. Und hier hat man sofort eine Idee von einer hochwertigen Limousine.“
Ein langer Radstand von 3.100 Millimetern, die Kabine hintenheraus recht lang gestaltet, denn der Innenraumkomfort hat einen hohen Stellenwert, gerade auch hinsichtlich der zweiten Sitzreihe. Florian öffnet die hintere Tür mit einer ausholenden Geste. „Ein wichtiger Punkt ist, dass das auch ein Auto ist, in dem viele Leute chauffiert werden, und deswegen haben wir natürlich auch hinten einen relativ großzügigen Innenraum. Wir haben versucht, hier genau diesen Spagat zu schaffen, ein Auto für Freizeit und Business – ein Auto, das du als Familie ebenso nutzen kannst wie im Beruf und in dem du auf dem Weg zu einem Termin hinten sitzen und arbeiten kannst, während du gefahren wirst.“

Die neue Premium-Limousine folgt klar den skandinavischen Wurzeln von Volvo und den damit verbundenen Designprinzipien.
Das Besondere am neuen Modell: Es ist eine Kombination von Limousine und SUV. „Die Effizienz und Eleganz einer Limousine – und zugleich eine erhöhte Sitzposition und mehr Bodenfreiheit wie bei einem SUV. Für uns ist das: Life in Balance.“
„Das unglaublich Schöne am Autodesign ist, dass man über Jahre an etwas arbeitet, und am Ende kommt ein nahbares Produkt zum Anfassen dabei heraus.“
| Florian Mockenhaupt
Am Anfang jedes neuen Modells steht ein Briefing
Beim Volvo ES90 war die Aufgabe klar umrissen: Es sollte eine Luxuslimousine werden – eine, die eindeutig ein Volvo ist. Ohne Protz, sondern ein Fahrzeug, das die typischen Volvo Werte sichtbar und spürbar macht: Sicherheit, Langlebigkeit, simples Design – und immer mit dem Menschen im Mittelpunkt. „Wir wollten ein Auto, das souverän wirkt, aber nicht überheblich“, erläutert Florian. „Ein Fahrzeug, das Ruhe ausstrahlt, sich aber trotzdem in jeder Umgebung behauptet.“
Der Designprozess beginnt klassisch: mit Skizzen, digitalen Entwürfen, Modellen. Mehrere Teams arbeiten über Jahre an verschiedenen Bereichen des Fahrzeugs – Exterieur, Interieur, Leuchten, Felgen, Farben, Materialien und vielem mehr. Und immer in Korrelation mit den Maßgaben der Technik, Produktion, Sicherheit, Nachhaltigkeit sowie Marktanalysen und Zielgruppe. Alles in weit vorausschauender Gestaltung, denn mindestens vier Jahre dauert es, bis die Ideen auf dem Papier auf der Straße stehen.

Florian Mockenhaupt über den Volvo ES90: „Das haben wir zusammen als Team geschafft. Hier stecken unsere Emotionen und unsere Leidenschaft drin. Und dann benutzen es Menschen und integrieren es in ihr Leben. “
Eine besondere Herausforderung ist der Frontbereich. „Die Front ist mit Abstand das Schwierigste am ganzen Auto“, erklärt Florian. „Da kommen unglaublich viele Anforderungen zusammen: Fußgängerschutz, Crashzonen, Aerodynamik, Kühlung, Sensorik, Lichttechnik. Und gleichzeitig muss das Auto an der Front wiedererkennbar sein.“ Die Gestaltung dieser Partie nennt sich „Gesichtsarbeit“ – und das ist wörtlich zu nehmen. Denn Menschen lesen in der Front wie in einem Gesicht. „Die Front muss Charakter haben. Sie soll vertrauenswürdig wirken. Wie jemand, dessen Präsenz in einem Raum sofort das Gefühl vermittelt, dass er die Kontrolle hat.“
Deshalb dauerte es rund ein halbes Jahr, bis das finale Frontdesign feststand. Es war ein iterativer Prozess, bei dem viele Teams zusammenarbeiteten – Design, Technik, Aerodynamik, Sicherheit, Engineering. „Das ist das Spannende an unserem Job“, sagt Florian. „Du bist als Designer nie allein. Es geht immer um ein Zusammenspiel.“ Und dabei bleibt die Richtung immer deutlich: „Ein Volvo muss nicht laut sein, um Eindruck zu machen“, betont der Designer. „Er muss klar sein. Und menschlich.“
Volvo war nie eine Marke der großen Worte – sondern der klaren Haltung
Sicherheit, Nachhaltigkeit und Menschlichkeit stehen im Zentrum. Beim Volvo ES90 zeigt sich das nicht nur in den technischen Daten, sondern auch im durchdachten Design. Ein Volvo soll nicht nur sicher sein – er soll auch sicher wirken. „Wir gestalten Flächen so, dass sie robust und schützend aussehen“, erklärt Florian. „Das ist Wahrnehmungspsychologie. Wenn du siehst, dass die Motorhaube tief modelliert ist, stabil wirkt, denkst du automatisch: Das Auto ist solide.“ Auch der massive Schild an der Front trägt dazu bei. „Das ist bewusst gesetztes Design, das Vertrauen schaffen soll.“ Sicherheit bedeutet für Volvo auch das Gefühl: Ich bin gut aufgehoben.

Erfolgreicher Spagat: Der Volvo ES90 ist ein Auto für Freizeit, Familie und Business.
Volvo versucht nicht, sich mit Offensivität zu profilieren. Florian nennt das „ShyTech“, also „schüchterne Technologie“: Das Fahrzeug ist voller Hightech, die sich aber nicht in den Vordergrund drängt. „Der Volvo ES90 hat alles, was er braucht – aber wir schreien’s nicht raus. Wir verpacken es dezent und absolut hochwertig“, erklärt Florian. Und er fügt lachend hinzu: „Und wenn man damit vorfährt, wissen trotzdem alle sofort: absolute Oberklasse!“
Dasselbe gilt für das Thema Nachhaltigkeit. Viele Materialien im Innenraum sind recycelt oder biobasiert. Aerodynamisches Design unterstützt die Erhöhung der Reichweite – ein entscheidender Punkt bei Elektrofahrzeugen – und das wiederum schont Ressourcen. „Wir holen aus der Form das Maximum an Effizienz raus“, sagt Florian. „Auch das ist nachhaltiges Design.“
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Core Computing Prozessoren der nächsten Generation treiben die Hard- und Software an. Ein großes Raumangebot, dazu ein Panoramadach, authentische Materialien und ein funktionales Design sorgen für Wohlfühlen auf ganzer Linie.
Das eigentliche Zentrum jeder Volvo Entwicklung ist der Mensch. Vom einfachen Einstieg bis zur Ruhe im Innenraum ist alles darauf ausgelegt, das Leben leichter zu machen. Das zeigt sich auch in Details wie dem Google basierten Infotainmentsystem, das nutzerorientiert weiterentwickelt wurde, wie Florian erklärt, als er in die Luxuslimousine einsteigt. Auch der Innenraum ist klar und aufgeräumt, gerade Formen, sauberes Design. „Was bei uns ja hoch im Kurs steht, ist dieser Ease of Use. Und genau solche Details machen dein Leben so viel einfacher. Der Mensch soll sich wohlfühlen. Dazu gehört auch, dass man zum Beispiel nicht mit dem Handy zum Navigieren herumhantieren muss“, sagt Florian. „Einsteigen, sagen, wohin du willst – fertig. Musik an. Sich zu Hause fühlen. So einfach soll Mobilität sein.“ Ein Beispiel dafür, wie gutes Design Haltung übersetzt – ganz ohne große Geste.
Wie sieht ein Auto in zehn Jahren aus?
Diese Frage beschäftigt Florian und sein Team täglich. Denn wer heute ein Modell wie den Volvo ES90 entwirft, muss schon an die nächsten Generationen denken – technisch, formal, kulturell. „Die größte Veränderung ist die zunehmende Verschmelzung von Technik und Design“, sagt Florian. „Früher war Technik oft etwas, das man verstecken oder betonen musste. Heute ist sie integraler Bestandteil der Gestaltung.“ Ein gutes Beispiel: die Integration von Sensoren und Lichttechnik in die Karosserie. Oder das sogenannte „Core Computing“-System, das viele Steuergeräte zusammenfasst – weniger Hardware, mehr Effizienz, mehr gestalterische Freiheit.
Auch das autonome Fahren könnte das Design grundlegend verändern. „Wenn irgendwann mal kein Lenkrad mehr nötig ist, eröffnet das ganz neue Räume“, sagt Florian. Bei Volvo berücksichtigt man diese Szenarien längst – etwa im Designkonzept 360c, das die Nutzung des Fahrzeugs schon vor Jahren komplett neu dachte. Bis autonomes Fahren regulärer Alltag ist, wird es jedoch noch dauern. „Natürlich braucht es dafür hundertprozentige Sicherheit bis zur Marktreife“, betont er. „Aber wir spielen im Designstudio immer mal wieder mit Ideen. Und ich persönlich freue mich schon drauf.“

Florian Mockenhaupt studierte Transportation Design in Pforzheim, startete bei General Motors als Exterieur-Designer und unterrichtete an Designhochschulen. Seit 2017 ist er bei Volvo Cars in Göteborg und leitet den Bereich seit November 2024 als Director Exterior Design.
Gleichzeitig verändert sich die Größe der Fahrzeuge. Lange wurden Autos immer größer – auch wegen der Batterien im Unterboden. Doch Florian sieht eine Trendwende: „Mit der Weiterentwicklung der Akkutechnik werden Fahrzeuge wieder kompakter sein können. Und das ist auch nötig – aus Effizienzgründen.“ Der Volvo EX30 ist hier ein gutes Beispiel: das kleinste Modell der Volvo Familie – aber mit maximaler Alltagstauglichkeit.
Und was ist mit der Limousine als Karosserieform? „Totgesagt wurde sie oft – aber der Volvo ES90 zeigt, dass sie lebt“, sagt Florian. „Wir haben beim Design genau geschaut: Was mögen Menschen am SUV – und wie übersetzen wir das in eine Limousine? Heraus kam ein neues Format: aufrecht, effizient, komfortabel – eine Limousine für das nächste Jahrzehnt.“
„Früher war Technik oft etwas, das man verstecken oder betonen musste. Heute ist sie integraler Bestandteil der Gestaltung.“
| Florian Mockenhaupt
Für Florian Mockenhaupt ist klar: Die Aufgabe des Designs bleibt, die Zukunft nutzbar zu machen – ohne die Menschen zu überfordern. „Design ist immer auch Übersetzung“, sagt er. „Es geht nicht um Effekthascherei, sondern darum, neue Technik in vertraute Formen zu bringen – und dabei Haltung zu zeigen.“