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  • Der Dreipunkt-Sicherheitsgurt von Volvo – seit fünfzig Jahren der effektivste Lebensretter im Strassenverkehr

    13.01.2009
    Volvo 50 Jahre Drei Punkt Gurt

    Nur wenige Menschen haben so viele Leben gerettet wie Nils Bohlin – der Volvo Ingenieur, der 1959 den Dreipunkt-Sicherheitsgurt erfand. Seine innovative Konstruktion passt sich dem Körper perfekt an und bietet bis heute den effektivsten Insassenschutz im Crashfall. Seit den Sechzigerjahren hat Bohlins Entwicklung hunderttausende Leben gerettet und millionenfach die Schwere von Verletzungen reduziert. Das macht den Dreipunkt-Sicherheitsgurt zum wichtigsten Sicherheitsdetail in der 120-jährigen Geschichte des Automobils.

    Der Umstand, dass Bohlins Entwicklung beim deutschen Patentamt ein ganzes Jahrhundert (1885 bis 1985) unter den acht wichtigsten Erfindungen im humanitären Bereich geführt wurde, bestätigt deren Effektivität. Bohlin teilt diese Ehre mit Patentinhabern vom Schlage eines Carl Benz, Thomas Alva Edison und Rudolf Diesel.

    Vom Schleudersitz zu Volvo
    Geboren wurde Nils Bohlin 1920 im schwedischen Härnösand, seine Karriere startete er 1942 bei Svenska Aeroplan Aktiebolaget (SAAB) als Flugzeugingenieur. Ab 1955 war er verantwortlich für die Entwicklung von Schleudersitzen und anderen Sicherheitseinrichtungen für Flugzeugpiloten. Schon damals ging Bohlin der Frage nach, wie der menschliche Körper bei extremen Verzögerungen bestmöglich zu schützen sei. Schon bald erhielt er die Gelegenheit, seine Ideen weiterzuentwickeln: 1958 stellte ihn der damalige Volvo Präsident Gunnar Engellau als Sicherheitsingenieur ein.

    Zweipunktgurt bot keine ausreichende Sicherheit
    In der zweiten Hälfte der Fünfzigerjahre hatte Volvo verschiedene Lösungen entwickelt, um Fahrzeuginsassen bei einem Aufprall vor dem Kontakt mit Innenraumkomponenten zu schützen und die Schwere von Verletzungen zu begrenzen. So entstanden die verformbare Sicherheitslenksäule, gepolsterte Armaturentafeln und Befestigungspunkte für diagonale Zweipunktgurte an den Vordersitzen. Bereits 1957 rüstete Volvo seine Modelle mit standardmässigen Verankerungen für den Zweipunkt-Diagonalgurt aus, der allerdings nicht das gewünschte Sicherheitspotenzial bot: Die Gurtschnalle befand sich auf Brustkorbhöhe der angeschnallten Person, die Verletzungsgefahr für innere Organe war deshalb grösser als die Schutzwirkung.

    Volvo Päsident Engellau konnte eigene Erfahrungen einbringen. Ein Verwandter war bei einer solchen Gelegenheit zu Tode gekommen, eine Ursache dafür waren die Sicherheitsmängel des Zweipunktgurtes. Er betraute Bohlin mit der Aufgabe, eine bessere Alternative zu entwickeln.

    Bohlins Lösung: Perfektionierung
    Schnell kam Bohlin zu der Erkenntnis, dass Ober- und Unterkörper der angeschnallten Person mit jeweils einem Brust- und einem Hüftgurt separat gesichert werden mussten. Die grösste Herausforderung lag darin, eine Lösung zu finden, die sich einhändig bedienen liess. 1958 wurde das Ergebnis seiner Arbeit, der Dreipunktgurt, zum Patent angemeldet. Die Besonderheiten: Hüft- und Oberkörper-Diagonalgurt waren aus physiologischer Sicht optimal angeordnet: Der Gurt verlief über Becken und Brustkorb, die Verankerung befand sich in niedriger Position seitlich am Sitz. Die Gurtgeometrie formte ein „V“, dessen Spitze auch unter Last in Richtung Fahrzeugboden zeigte.

    Darin lag der entscheidende Vorteil gegenüber der früheren Dreipunktlösung des Typs „Y“ (Griswold-Design). Bohlins Gurt war mehr eine Demonstration geometrischer Perfektionierung als eine grundlegend neue Innovation. Kurz darauf kam sie weltweit zum Einsatz, da Volvo das Patent umgehend allen Automobilherstellern zur Nutzung freigab.

    Volvo erster Hersteller mit serienmässigem Dreipunktgurt
    1959 wurde der patentierte Dreipunktgurt in den Volvo Modellen Amazon (120) und PV 544 - dem Buckel - in den nordeuropäischen Märkten eingeführt. Volvo war damit der erste Automobilherstelller weltweit, der seine Modelle mit diesem wegweisenden Sicherheitstandard serienmässig ausrüstete.

    Wegen der relativ geringen Schutzwirkung des Zweipunktgurtes und der Tatsache, dass die Handhabung als umständlich galt, begegneten die Kunden auch dem Volvo Dreipunktsystem zunächst mit einer gewissen Skepsis – trotz der leichten Bedienung, des hohen Tragekomforts und der hohen Schutzwirkung. Vor der weltweiten Markteinführung des Dreipunktgurtes in Volvo Modellen wurde deshalb eine Serie von Schlitten- und Kollisionstests mit allen seinerzeit verfügbaren Gurtsystemen durchgeführt. Mit eindeutigem Resultat: Der Volvo Dreipunktgurt bot bei Weitem den besten Schutz. Auf Basis dieser Ergebnisse stellte Volvo 1963 den Dreipunktgurt in den USA und weiteren Märkten vor. Damit waren die Vordersitze sämtlicher Volvo Modelle ab Werk mit diesem Sicherheitsfeature ausgestattet.

    Für Fondpassagiere ist der Dreipunktgurt ebenso wichtig
    Bei Volvo erkannte man schnell die Notwendigkeit, Sicherheitsgurte auch für die Passagiere im Fond in die Entwicklung einzubeziehen. Bereits 1958 waren Volvo Fahrzeuge mit Gurtverankerungen an den Rücksitzen versehen, doch es dauerte bis 1967, bis man die Autokäufer von Nutzen und Notwendigkeit dieser Sicherheitseinrichtung überzeugt hatte. Die Menschen hatten damals die eigenartige Vorstellung, dass allein der Aufenthalt im Fahrzeugfond vor den Folgen einer Kollision schütze – gefährdet waren nach dieser Auffassung nur Fahrer und Beifahrer. Tatsache ist aber: Die Fahrgäste auf der Rückbank werden bei einem Aufprall mit einer Kraft von drei- bis fünf Tonnen vorwärts geschleudert und stellen damit ein hohes Verletzungsrisiko für sich selbst sowie für Fahrer und Beifahrer dar. Heute ist die Gurtpflicht auf den Rücksitzen gesetzlich geregelt und in vielen Ländern eine Selbstverständlichkeit.

    Ein Leben lang Sicherheitsexperte
    Auch in der Folgezeit trug Nils Bohlin massgeblich dazu bei, dass Volvo in Sachen Verkehrssicherheit eine Führungsrolle in der Automobilindustrie einnahm. So erkannte er schnell die Notwendigkeit einer Seitenaufprall-Schutzvorrichtung und begann in den Siebzigerjahren, entsprechende Lösungen zu entwickeln. Diese resultierten in einer patentierten Technologie, die heute unter dem Kürzel SIPS (Side Impact Protection System) bekannt ist. Volvo zählte zu den ersten Automobilbauern weltweit, die ihren Kunden dieses Sicherheitssystem zur Verfügung stellen konnten. Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand 1985 wurde Nils Bohlin in komplizierten Entwicklungsfragen immer wieder konsultiert. 2002 erlag er im Alter von 82 Jahren den Folgen eines Schlaganfalls.

    Einer der wichtigsten Erfinder in der Automobilindustrie
    Nils Bohlin erhielt zahlreiche internationale Ehrungen für seine Arbeit. Viele Menschen suchten sogar den persönlichen Kontakt. Sie wollten ihm danken, dass seine Erfindung ihr Leben gerettet hatte.

    Nachstehend ein Überblick über die Auszeichnungen, die der Dreipunkt-Sicherheitsgurt und sein Erfinder Nils Bohlin im Laufe der Jahre erhielten:


    1956 –  Unterstützung für luftfahrtmedizinische Studien durch die USA, die schwedische Kirchenvereinigung und die Vereinigung technischer Industrieangestellter
    1965 –  Auszeichnung für das beste absatzfördernde Ausstattungsmerkmal durch die Volvo Händlervereinigung (Volvo Sitz, 1964)
    1975 -  Ralph H. Isbrandt-Medaille für den besten Technikbeitrag (SAE Society of Automotive Engineers Inc, USA)
    1977 –  Diplomurkunde zur Würdigung von Bohlins Pionierleistungen in der Fahrzeugsicherheit bei Volvo (6. Konferenz „International Association of Accident and Traffic Medicine“)
    1979 –  Sicherheitspreis für herausragende Ingenieurleistungen (NHTSA, USA / ESV conference Paris)
    1985 –  Einstufung von Bohlins Entwicklung als eine der acht wichtigsten Erfindungen im humanitären Bereich des letzten Jahrhunderts (Deutsches Patentamt)
    1985 –  Auszeichnung für besondere Errungenschaften (NHTSA, USA / ESV conference Oxford)
    1989 –  Aufnahme in die International Safety and Health Hall of Fame, USA
    1992 –  Sicherheitspreis „Second World Traffic Safety Conference“, New York/USA
    1995 –  Goldmedaille der Königlich Schwedischen Akademie der Ingenieurwissenschaften
    1999 –  Aufnahme in die Automotive Hall of Fame
    2002 –  Aufnahme in die National Inventors Hall of Fame

    Volvo Ingenieur Nils Bohlin revolutionierte mit Dreipunkt-Sicherheitsgurt Sicherheit im Strassenverkehr
    Volvo 120 und PV544 sind 1959 die ersten Automobile mit serienmässigem Dreipunktgurt

    Nur wenige Menschen haben so viele Leben gerettet wie Nils Bohlin – der Volvo Ingenieur, der 1959 den Dreipunkt-Sicherheitsgurt erfand. Seine innovative Konstruktion passt sich dem Körper perfekt an und bietet bis heute den effektivsten Insassenschutz im Crashfall. Seit den Sechzigerjahren hat Bohlins Entwicklung hunderttausende Leben gerettet und millionenfach die Schwere von Verletzungen reduziert. Das macht den Dreipunkt-Sicherheitsgurt zum wichtigsten Sicherheitsdetail in der 120-jährigen Geschichte des Automobils.

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