Mehr als ein Gefühl

DAS VALIDIERUNGSTEAM VON VOLVO

Hier sind die Experten, die dafür sorgen,
dass Sie in Ihrem Volvo dieses typische, perfekte Volvo-Gefühl erleben. 

Wenn Sie Ihren Neuwagen beim Vertreter abholen, wissen Sie bestimmte Dinge schon. Sie wissen, wie er aussieht, kennen die Höchstgeschwindigkeit und die Ausstattungsmerkmale. Niemals aber werden Sie zu 100% wissen, wie es sich anfühlt, wenn Sie das Steuer in der Hand haben und auf der Strasse sind. Oder vielleicht doch? Dank Experten wie Peter Hellgren geht das tatsächlich. Als Validierungsingenieur bei Volvo hat Peter Hellgren die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sich Ihr Volvo genauso anfühlt wie von Volvo Cars vorgesehen.

Die Reise beginnt

Ein kühler Morgen im Oktober, und ich stehe vor dem Werk von Volvo Cars im schwedischen Göteborg. Soweit das Auge reicht, nichts als Volvo-Modelle aller Formen, Grössen und Farben. Es ist wie eine eigene Stadt, bevölkert nur von Menschen, die mit Leib und Seele für Volvo stehen. Ich bin hier mit Peter Hellgren verabredet. Peter Hellgren arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Validierungsingenieur für Volvo Cars und heute gehe ich mit ihm und zwei Kollegen auf Validierungsexpedition. Dabei werden drei neue Fahrzeuge der 90er-Baureihe auf Herz und Nieren getestet. Aber bevor es losgeht, will ich von ihm wissen, was ein Validierungsingenieur eigentlich macht. 

«Bei der Validierung geht es um Gefühle», erklärt Hellgren. «Wir analysieren und testen das Fahrzeug in jeder Phase des Entwicklungsprozesses, damit es sich auch wirklich so anfühlt, wie es soll. Es geht um die Erfüllung der Kundenansprüche auf emotionaler Ebene.» Einfach ausgedrückt: Peter Hellgren testet vom Prototyp bis zum Fabrikmodell, um sicherzustellen, dass beim Fahrzeug alles so ist, wie in der Produktbeschreibung versprochen. 
Wir starten also unsere Expedition. Voraus fahren Peter und ich in einem brandneuen V90, hinter uns Thomas und Bengt, zwei weitere Validierungsingenieure, in zwei edlen neuen S90. Heute sollen die drei Fahrzeuge noch einmal bewegt und erprobt werden, ehe Peter, Thomas und Bengt in zwei Wochen mit ihnen eine grosse Expedition quer durch Europa unternehmen – vom sonnigen Südfrankreich bis in die schwindelerregenden Höhen der italienischen Alpen. Heute jedoch geht es erst einmal nach Bohuslän, eine Provinz am Nordzipfel der schwedischen Westküste. Das klingt vielleicht nicht so aufregend wie eine Alpenüberquerung oder eine rasante Autobahnfahrt, aber bei der Validierung neuer Fahrzeuge lässt sich aus jeder Fahrt etwas lernen. 



«Es geht um das Gefühl, wenn man ein Fahrzeug das erste Mal berührt – der Türgriff, das Lenkrad, der Schaltknüppel – das bestimmt die Kundenerfahrung bei der Abholung, und deshalb müssen wir das genauso spüren. Deshalb machen wir diese Expeditionen», erklärt Peter Hellgren. 
Eine typische Expedition besteht aus einem Konvoi von fünf Fahrzeugen, die Fahrer halten über Walkie-Talkies Kontakt und tauschen Eindrücke aus, wie sich die Fahrzeuge machen. Auf diese Weise war Peter schon in der ganzen Welt unterwegs. Bei den Expeditionen wird immer getestet, wie sich bestimmte Eigenschaften der Fahrzeuge in unterschiedlichen Klimata, Höhen und Umgebungen verhalten. Wie fühlt man sich im Fahrzeug zum Beispiel in der glühenden Sommerhitze Marseilles, oder wie wirken sich die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt in Nordschweden auf die Funktion der Scheibenwischer aus? 

Design aus Fahrerperspektive

«Bei der Validierung beurteilen wir das Fahrzeug immer ganz subjektiv», meint Peter, während wir entspannt die E6 in Richtung des Städtchens Stenungsund entlang gleiten. «Wir sagen allerdings nie «Ich finde,...», sondern immer «Das sind meine Ergebnisse, und das die Gründe dahinter.» Jeden Abend besprechen wir unsere Ergebnisse und bewerten jedes Teil des getesteten Fahrzeugs auf einer Skala von eins bis zehn. Bekommt ein Fahrzeugteil zwei verschiedene Bewertungen, sprechen wir darüber, was der Grund sein könnte.» Aber wer entscheidet, worauf Peter und seine Kollegen achten sollen? 
«Die Art, wie wir testen, hängt davon ab, welche Art von Fahrzeug Volvo entwickeln will», erklärt er. «Wir bekommen den Auftrag, ein Fahrzeug mit bestimmten Eigenschaften zu entwickeln, z. B. eine Dynamiklenkung. Diesen Auftrag bearbeiten wir dann aus der Perspektive des Fahrers, um zu sehen, ob es machbar ist.» Jede Bestellung für ein neues Fahrzeug von Volvo besteht aus verschiedenen Anforderungen unterschiedlicher Abteilungen bei Volvo. Deshalb müssen Peter und sein Team eng mit allen Abteilungen zusammenarbeiten, um die verschiedenen Eigenschaften auszugleichen und sicherzustellen, dass das Fahrzeug insgesamt ausgewogen ist. 
 

Auf die Kombination kommt es an

Das Validierungsteam von Volvo Cars besteht aus 15 Ingenieuren, alle Experten für unterschiedliche Fachgebiete. Und laut Peter ist genau diese Kombination verschiedener Kompetenzen der Schlüssel für eine gute Validierung. «Es ist wichtig, das wir alle unterschiedlich sind und auf verschiedene Aspekte schauen. Das Team muss aber auch insgesamt ausgewogen sein, und alle müssen genügend Erfahrung und Wissen haben.»
 
Neben der Hardware des Fahrzeugs testen Peter und sein Team auch die Software. Das kann dauern, denn die Fahrzeuge von heute sind damit sehr umfangreich ausgestattet. Bei Volvo Cars gibt es Testlabore, wo die verschiedenen Arten von Software laufen und geprüft wird, ob alles funktioniert. Hier können die Validierungsingenieure auch testen, wie Schaltflächen funktionieren und wie sich die Bedienung unter realen Bedingungen anfühlt. Es ist also eine Kombination aus Technik und Tastsinn.
 
Auch sehr wichtig bei Peter Hellgrens Arbeit ist das Verständnis, dass das Fahrverhalten von Menschen immer auch kulturell bedingt ist, und die Fähigkeit, ein Fahrzeug aus dem Blickwinkel der jeweiligen Kultur zu beurteilen. Soll er zum Beispiel ein Fahrzeug validieren, das für den chinesischen Markt bestimmt ist, muss er das aus der Perspektive eines chinesischen Fahrers tun. Um möglichst viel über die unterschiedlichen Fahrkulturen zu lernen, ist Peter weltweit riesige Strecken gefahren – allein in China hat er im letzten Jahr gut 80 000 Kilometer unter die Räder genommen. Ich bin neugierig und frage ihn nach dem Fahrstil in Schweden: «In Schweden respektieren wir andere Verkehrsteilnehmer und halten uns an die Regeln», meint er lächelnd. 
 

So soll es sich anfühlen

Nach fast einer Stunde auf der Strasse ist es für uns Zeit, die Fahrzeuge zu wechseln. Wir steigen also in den schwarzen S90 R-Design und tauschen die Autobahn gegen kleine, kurvige Landstrassen. Im Vergleich zur grossen Schnellstrasse sind diese kleinen schwedischen Landstrassen deutlich anspruchsvoller zu fahren, der Beweis sind die vielen schwarzen Reifenspuren auf der Fahrbahn. Es sind eben nicht alle so geschickte Fahrer wie Peter. Und während er scheinbar mühelos die endlosen Kurven und Windungen bewältigt, schaltet er die Gänge durch und lächelt. «Das Getriebe fühlt sich gut an», bemerkt er. Eindeutig einer der Momente, wo all die mühsame Arbeit sich gelohnt hat und das Fahrzeug sich genau so anfühlt, wie es soll. «Da oben lebt übrigens ein Bauer, der Kamele hält», meint Peter und zeigt zu einem Bauernhof auf dem Hügel. Und mit dieser unerwarteten Information lassen wir die Landstrassen hinter uns, fahren zurück auf die Autobahn und weiter nach Bohuslän. 

Der Rest unserer Expedition führt uns in Stadtzentren, durch ländliche Gegenden und schliesslich in das malerische Fischerdorf Hunnebostrand. Hier brüten Peter, Thomas und Bengt über den Motoren ihrer Fahrzeuge und besprechen die bisherigen Erkenntnisse der Reise. Nach einem flotten Uferspaziergang, um die Aussicht zu geniessen und frische Luft zu schnappen ist es Zeit für unseren kleinen Volvo-Konvoi, sich wieder in Richtung Heimat zu bewegen. Auf dem Weg zurück ins Werk von Volvo Cars frage ich Peter, ob er immer im Validierungsmodus ist oder das auch einmal abschalten kann. «Nein, ich bin immer im Validierungsmodus», antwortet er lachend. «Man validiert irgendwann alles, vom Sofakauf bis zum neuen Smartphone.»
 
Wenn Sie also das nächste Mal in Ihr Fahrzeug steigen und sich alles genau so anfühlt, wie Sie es erwartet hatten, denken Sie daran, dass das kein Zufall ist. Menschen wie Peter haben mit Leidenschaft unermüdlich unter allen möglichen Bedingungen dafür gearbeitet, dass sich Ihr Volvo genau so gut anfühlt, wie er sollte.