Wo das Land aufhört

Beim Zeus! Wer hat denn die bizarren Felsformationen in der trockenen Walliser Hitze erschaffen? Hatten die Götter ihre Finger im Spiel? Fast. Denn tatsächlich spielte sich vor einigen Jahren am Zusammenfluss der Täler von Hérémence und Hérens ein gewaltiges Drama ab: Zwei Gletscher schoben sich ineinander und drückten das lose Gestein ihrer Seitenmoränen mit der Kraft von zwei 1000 Meter dicken Eisschichten gegeneinander. Das lose Gesteinsmaterial wurde dadurch zu einer äusserst harten, verkitteten Masse zusammenpresst, die ob Ihrer Konsistenz auch als Betonmoräne bezeichnet wird.
Seit dem Ende der letzten Eiszeit und dem Abschmelzen der Gletscher ist das heterogene Moränenmaterial der Witterung durch Wasser und Wind ausgesetzt. Geblieben sind nur einige Partien, die von grossen Felsbrocken geschützt werden. Diese steckten einst zusammen mit dem ganzen restlichen Schotter in der gepressten Moräne, von der sie aber mittlerweile befreit sind. Dank ihrer Grösse und ihres Gewichtes von bis zu 20 Tonnen bilden die nur langsam erodierenden Brocken «Schutzkappen» vor den Elementen, die das darunterliegende Material stetig zusammenpressen und festigen.

So sind hier elegante Erdpyramiden entstanden, welche 10 bis 15 Meter hoch aufragen und an die mysteriösen Landschaften von Meteora in Griechenland erinnern. Oder an die eigenwilligen Formationen an den von Wind und Wetter gezeichneten Küsten der Ägäisinseln. An einer Stelle wurde sogar ein Tunnel durch die Erdpyramiden gebohrt, durch den man direkt in die griechische Götterwelt eintreten kann.

Aktivitäten rund um die Destination

Geduldige Kulturliebhaber tauchen schon am Vorabend mit einem Film von Theo Angelopoulos in die greischische Welt ein. Bei der Anfahrt zu den Erdpyramiden (1) von Euseigne legt Eleni Karaindrou einen dramatischen Klangteppich aus. Damit fährt man mitten durch die Felsen und weiter ins sagenhafte Grand Hotel Kurhaus Arolla (2) ganz hinten im Tal. Gut ausgeruht gibt es dann anderntags eine wunderbare Wanderung auf die aussichtsreiche Alp Mandeolon (3) , wo die eringischen Minotauren weiden und die Hörner kreuzen. Zum Spektakel gibts ein kleines Gelage mit Spezialitäten der Epicerie de La Sage (4) in Evolène. Vor der Heimreise bezwingt der Olympionike noch die Staumauer Grand Dixence (5) und tankt im griechischen Restaurant «Le grand bleu» (6) in Conthey griechischen Wein.

Griechenland

Musik

Der zurückhaltende und mehrfach ausgezeichnete Jazz von Eleni Karaindrou erscheint im ECM Label. Sie hat für Theo Angelopoulos magische Filmmusik geschrieben und auch Christian Freis «War Photographer» vertont. Der bekannteste griechische Musiker ist vermutlichVangelis. Für den griechischen Tag empfiehlt sich seine Filmmusik für «El Greco» und «Conquest of Euseigne». George Michael hat unweit von hier in Saas Fee das Video zu Last Christmas aufgenommen.

Essen & Trinken

Nirgends in der Schweiz ist Dionysos so glücklich wie im Wallis. Dabei geniesst er vor allem die lokalen Weine, die ausschliesslich im Wallis wachsen und unbedingt verkostet werden müssen. Die bekanntesten davon sind die weissen Weine «Petite Arvigne» und «Heida», sowie die roten Weine «Diolinoir» und «Cornalin».

Literatur

In griechischen Tragödien gerät der Protagonist in eine ausweglose Lage, aus der er nicht schuldlos herauskommen kann. Das Schicksal ist unausweichlich …

Kunst

Der griechische Magnum-Fotograf Nikos Economopoulos ist ein Grossmeister der Street Photography. Wer mutig ist, wirft vor der Abreise einen Blick auf sein Werk und versucht sich dann selber in der hohen Kunst.

Danksagung und Credits

Headerbild: gettyimages.com, 1. Bild: gettyimages.com, Karte: @swisstopo (JMI190029), Illustrationen: Atelier Cartographik, cartographik.com, Texte: Transhelvetica