Fahrzeughalter

Ort der Magie

Es ist über einen Kilometer lang – mit einem Gang entlang des gesamten Gebäudes – und mehr als 6500 Menschen arbeiten hier. Jeden Tag rollen rund 1200 Fahrzeuge aus den Toren und auf die Strasse, und jedes einzelne wurde auf Bestellung gefertigt.

von Matt O'Leary

Das Stammwerk von Volvo Cars in Göteborg ist eindrucksvolles Zeugnis akribischer Planung und grosstechnischer Umsetzung. Wer es einen Tag lang durchwandert, bekommt einen genauen Eindruck davon, wie das eigene Fahrzeug Form annimmt, angefangen mit einer Rolle Karosserieblech und verschiedenen, in riesigen Lagerhallen verstreuten Bauteilen. Es sagt aber auch viel aus über Teamarbeit, Ausbildung, Fachkompetenz und eine Arbeitskultur, die einer ganzen Stadt Leben eingehaucht und ihr ein weiteres stolzes Symbol geschenkt hat.

Zwischen den grossen Gebäuden mit Produktionsstrassen und Werkstätten finden sich Restaurants, Cafés, Läden und Büros. Und, vor allem, Gruppen von Menschen. Der menschliche Faktor ist extrem wichtig, um das vollkommene Fahrzeug zu schaffen. Neben der Bedienung von Maschinen und der Feinarbeit stehen die Menschen, die hier arbeiten bereit, um die Qualität von Arbeit und Fahrzeugen zu prüfen und zu kontrollieren.

Unter Druck

Das Karosseriepresswerk ist der lauteste Ort des Werks und vermittelt den stärksten Eindruck von Schwerindustrie. Hier werden riesige Rollen rasiermesserscharfen Karosserieblechs abgewickelt, geschnitten und in Form gestanzt. Neben der Kontrolle, ob alle Abläufe reibungslos funktionieren, prüft immer ein Team von Mitarbeitenden die Bleche, glättet Unebenheiten und erledigt all die Feinarbeit, wie sie Maschinen nicht leisten können.

Hier bemerken wir zum ersten Mal die Arbeitsweise von Volvo nach dem Motto «Right from me» (Meinen Teil mache ich richtig), wobei jeder Mitarbeitende ein Bauteil erst weitergibt bzw. eine Aufgabe verlässt, wenn er oder sie sicher ist, dass alles fertig und in bestem Zustand ist. Anschliessend landen die Teile mit einem persönlichen Prüfzeichen versehen in der Karosseriewerkstatt.

Ein Körper aus Stahl

Schweissroboter, fahrerlose Transportfahrzeuge und mechanische Arme fügen die Einzelteile zur fertigen Karosserie zusammen. Die hier Arbeitenden erledigen bestimmte Aufgaben wie Punktschweissen und Qualitätskontrolle, aber das schwere Heben übernehmen die Maschinen. In diesem Teil des Werks erhält jedes Fahrzeug seine eigene Persönlichkeit in Form der RFID-Karte, die vorgibt, welche Farbe es bekommt und wie es ausgestattet wird. Damit entsteht das Gefühl des Massgeschneiderten, wie es dann im letzten Teil der Produktionsstrasse vorherrscht.

Paint it Black

Die Atmosphäre in der Werkstatt ist sauber und in manchen Bereichen ruhiger, als man es in einer Fabrik erwarten würde. Hier kommt die Karosserie für ein langes chemisches Bad in eine Konstruktion, die aussieht wie eine Kreuzung zwischen Waschanlage und Achterbahn. Nach dem Trocknen geht es in eine grosse, hell erleuchtete Halle, wo die Dichtungen manuell angebracht werden. Zum Schluss folgt die Lackierung: sowohl durch textilumhüllte Airbrush-Roboter als auch per Hand durch Menschen.

All Together Now

Für die lackierte Karosserie geht es zur Hochzeit in die Produktionsstrasse, wo sie – in einem der beeindruckendsten Werksbereiche – am so genannten «Marriage Point» exakt im richtigen Moment mechanisch mit dem Unterboden verschraubt wird. Ab hier liegt alles in den Händen der hier Mitarbeitenden an der Produktionsstrasse.

Auf seinem Weg durch das Werk wird das Fahrzeug mit allem bestückt, von Rädern bis Seitenspiegel. Wieder erledigen Roboter einen Teil der Schwerarbeit. Es erfüllt einen mit seltsamer Befriedigung zuzusehen, wie ein mechanischer Arm mit eleganten Bewegungen sekundenschnell und präzise Armaturenbrett und Fenster einsetzt. Aber erst, wenn man die Gruppen von Menschen sieht, die immer wieder punktuell in den Prozess eingreifen und überprüfen, ob alles sicher und perfekt erledigt wird, versteht man, wie unglaublich viel Sorgfalt und Aufmerksamkeit in die Herstellung jedes Fahrzeugs einfliessen.

Die Endkontrolle zu beobachten – wo ein Team von Beschäftigten die Sitze testet, mit der Hand Linien entlang streicht, Rückspiegel und Sicherheitsgurte prüft – erzeugt schon an sich Aufregung und Vorfreude. Aber vor allem bekommt man den bleibenden Eindruck, dass trotz tausender Roboter und Maschinen, die das schwere Heben erledigen und für höchste Effizienz sorgen, diese Fahrzeuge letztendlich von Menschen gemacht sind.

«Wir arbeiten so effektiv wir können und achten gleichzeitig auf Kosteneffizienz und Qualität.»

Anneli Ericsson

Communication Manager VCT bei Volvo Cars

Live aus dem Werk

Anneli Ericsson kennt das Werk in Göteborg wie ihre Westentasche. Sie ist hier zuständig für die Kommunikation und verbringt viel Zeit damit, Besucher herumzuführen: sie stellt ihnen die Belegschaft vor, vereinbart Treffen, beantwortet Fragen und liefert Fakten.

Man hat wirklich den Eindruck, jeder hier kennt sie. Egal, wo Sie im Werk gerade sind, Anneli kennt die Person, die Ihnen sagen kann, was Sie wissen möchten. Heute hat sie sich etwas Zeit genommen, um uns nahe zu bringen, was die Arbeit hier im Werk so besonders macht.

Wie arbeitet es sich denn so im Göteborger Werk?

Die meisten sind begeistert: Wenn Sie mit Arbeitenden hier im Werk sprechen, spüren Sie viel Freude an Volvo und den Fahrzeugen und Stolz, hier zu arbeiten. Es ist ein angenehmer Arbeitsplatz und ein guter Arbeitgeber. Aufstiegschancen inbegriffen: man kommt vielleicht als Werkstudent, wechselt in feste Vollzeitanstellung, wird irgendwann Vorarbeiter und arbeitet später mit spezieller Technologie oder in einem anderen Wunschbereich.

Was ist das Besondere an diesem Werk?

Es ist natürlich alt, wurde jedoch fast zur selben Zeit erbaut wie unser Werk in Gent. Aber hier sind wir in Göteborg, dem Geburtsort von Volvo.

Wie arbeiten die Menschen hier?

«Wir arbeiten so effektiv wir können und achten gleichzeitig auf Kosteneffizienz und Qualität.» Die Beschäftigten hier sind sehr stolz auf die Fahrzeuge, die wir bauen. Die werden immer besser: schön, mit gutem Design und wirklich besonders. Auf unseren Beitrag dazu sind wir sehr stolz.

Die Belegschaft bei Volvo Cars ist sehr vielfältig und international, generell und auch hier im Werk. Dabei bleibt Volvo Cars als Marke und Unternehmen aber immer sehr schwedisch. Was ist denn besonders schwedisch daran, wie hier im Werk Fahrzeuge gebaut werden?

Bei unserem Unternehmen steht der Mensch im Mittelpunkt, und allen Beschäftigten im Werk wird zugehört. Wir bemühen uns, Arbeitsumfeld und Ergonomie zu verbessern. Alle Beschäftigten sind an Aufgaben und Entscheidungen beteiligt. Das ist typisch schwedisch, denke ich – einen Konsens finden und alle ins Boot holen.

Und dann ist da unser Umweltbeitrag, wir recyceln möglichst allen erzeugten Abfall. Vielen Besuchern unseres Werks fällt auf, wie sauber es ist. Wer weiss, was sie bei einer Fabrik erwarten, jedenfalls hören wir das immer wieder.

Gibt es ein grosses öffentliches Interesse, was im Werk vor sich geht?

Ja, fragen Sie nur mal im Besucherzentrum – dort könnte man leicht alle Viertelstunde eine Werksbesichtigung starten.

Was passiert denn hier so Tolles?

Letztes Jahr haben wir zum Beispiel eine schwedische Qualitätsauszeichnung gewonnen (Utmärkelsen Svensk Kvalitet), und der König kam zur Übergabe ins Werk. Wir haben eine Werkstour für ihn organisiert, dann gab es eine Zeremonie und ein Mittagessen mit dem König und einigen Gästen. Und Ende letzten Jahres hat Popstar Sabina Ddumba hier ein Mittagskonzert gegeben. Wir haben oft solche Events im Werk, das sorgt immer für beste Stimmung. Und im vergangenen Spätsommer kam Zlatan vorbei und hat die Belegschaft besucht, das war schon etwas Besonderes.

Der neue Volvo CX90 schlängelt sich die kalifornische Küstenstrasse entlang