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Form folgt Emotion: Das Interieurdesign des Volvo ES90

Designerin Cecilia Stark über Farben und Materialien, die für sich selbst sprechen, Inspirationen und die Werte hinter dem neuen Volvo ES90.

Elektrifizierung

ES90

Designerin Cecilia Stark sitzt an einem Tisch mit Moodboards, Mustern und Materialien für das Interieurdesign des Volvo ES90.

Als Senior Design Manager CMF bei Volvo Cars blickt Cecilia Stark immer kreativ in die Zukunft. Mit ihrem Team entwickelt sie Farbkombinationen und sorgt für die perfekte Auswahl von Materialien für neue Modelle.

Entdecken Sie den Volvo ES90

Wenn man Cecilia Stark zuhört, wird schnell klar: Design ist bei Volvo weit mehr als reine Ästhetik. Es geht um Emotionen, um Haltung – und darum, wie sich ein Fahrzeug anfühlen soll.


Farben, Materialien und Oberflächen sind ihre Welt. Als Senior Design Manager CMF hat Cecilia das Interieur-Design vieler Volvo Modelle mitgestaltet. Das neueste ist der Volvo ES90, ein Fahrzeug der Luxusklasse. Für Cecilia und ihr Team im Bereich Colour & Material Design ging es dabei darum, diesem Modell eine Seele zu geben: durch Farben, Texturen und Materialien, die berühren. Ein Gespräch über kreative Verantwortung, gestalterische Offenheit und darüber, warum Design bei Volvo immer auch demokratisch gedacht wird.


Cecilia, wenn man im neuen Volvo ES90 sitzt, spürt man sofort diese elegante Gelassenheit. Was war euer Ziel bei der Gestaltung von Farben und Materialien?

C: Mit dem Volvo ES90 wollten wir ein Fahrzeug schaffen, das Größe und Luxus vermittelt – aber auf unsere Weise. Nicht laut, nicht überladen, sondern ruhig, bewusst und auf den Menschen fokussiert. Für uns zählt: Du sollst dich einfach wohlfühlen und es lieben, in deinem Auto zu sitzen. Das beginnt bei den Materialien: wertige Oberflächen, taktile Stoffe, Farben, die nicht schreien, sondern umarmen. Klar geformte Flächen für ein gutes Raumgefühl. Eine luxuriöse Anmutung auf Volvo Art, ohne explizit Nachhaltigkeit zu kommunizieren. Wir haben uns gefragt: Wie fühlt sich skandinavische Hochwertigkeit an? Die Antwort liegt für uns in Natürlichkeit, Schlichtheit – und Qualität.

Nahaufnahme auf Materialmuster und Farbstimmungen aus dem Interieur-Designprozess des Volvo ES90.

Stoffe und Farben, die nicht schreien, sondern umarmen, das war einer der Grundideen bei der Gestaltung des Volvo ES90 Innenraums.

Wie nähert ihr euch im Designteam einem großen Projekt wie dem Volvo ES90? Gibt es am Anfang ein Moodboard oder ein übergeordnetes Thema?

C: Ja, unbedingt. Wir arbeiten sehr visuell – mit Materialien, Farbstudien, Bildern, die Emotionen wecken. Für den Volvo ES90 hatten wir früh das Bild eines modernen, ruhigen Raumes vor Augen, inspiriert von skandinavischer Architektur. Räume, die offen und lichtdurchflutet sind, aber trotzdem warm. Und zudem war Confidence, also Selbstvertrauen, unser Ausgangswert für den Charakter. Diese Grundideen haben wir konsequent weiterentwickelt – bis ins kleinste Detail.


Bringt eine Luxuslimousine andere Herausforderung an eure Designarbeit mit sich?

C: Ja, durchaus. Für mich entsteht Luxus im Auto durch großartige Materialien und ein perfektes Aussehen. Wir setzen auf eine zurückhaltende Gestaltung, die zudem nicht versucht, wie andere Automarken auszusehen, sondern selbstbewusst für sich steht. Der Wohlfühlfaktor in unseren Fahrzeugen ist immer im Fokus. Aber natürlich, wenn wir ein derart luxuriöses Auto wie den Volvo ES90 andenken, hat man eine andere Zielgruppe und die Ansprüche an den Raum sind auch andere. Hier haben wir besonders viel Wert darauf gelegt, ein absolutes Premium-Zuhause zu kreieren. Welche Materialien und Farben vermitteln Hochwertigkeit, Langlebigkeit und anspruchsvolles Design auf den ersten Blick? Wir haben besonders viele natürliche Materialien eingesetzt. Warm, einladend, ruhig und absolut erstklassig – und Materialen, die für sich sprechen.

Zwischen mehreren Materialmustern liegt auch ein Stück grobes, unbearbeitetes Holz

Texturen, Pflanzen, Architektur und Licht, alles fließt ein in die Kreation neuer Farben und Stoffe.

Gestaltet ihr auf diese Weise auch den Charakter eines Autos?

C: Jedes Modell hat bei uns eine eigene Aussage, die wir durch das Exterieur- und ebenso das Interieur-Design gestalten. Wie in einem Rezept mischen wir die Zutaten je nach Vorgabe, ich sage mal wie Salz, Pfeffer und Chili: Ist ein Modell eher aktiver und steht für Outdoor-Action, dann verwenden wir aktivere Materialien, ist es eher kreativ beeinflusst und trendig, können Farben stärker sein, ist es eher der ruhigere Business-Typ, sind Farben und Materialien ausgewogener. Ein wenig hiervon, dafür ein wenig mehr davon, hier noch eine Prise extra. All das macht den Charakter eines Autos aus.

»Natürlich lassen wir uns immer viel von der Natur inspirieren. Ich denke, das ist eine Art Basis für skandinavisches Design.«

| Cecilia Stark, Senior Design Manager CMF bei Volvo Cars

Das Mulberry Red ist eher ein ungewohnter Farbton und die Kommunikationsfarbe des neuen Volvo ES90. Wofür steht der neue Farbton?

C: Mulberry Red ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie emotional Farbe sein kann. Der Ton ist warm und zugleich elegant. Und er hat diese besondere Tiefe, die sich je nach Lichteinfall verändert – mal satt und kraftvoll, mal fast samtig. Wir wollten eine Farbe schaffen, die Charakter hat, aber trotzdem stilvoll bleibt. Dieser gedeckte Rotton steht für Zeitlosigkeit, Wertigkeit, Luxus. Und weil die Silhouette des Fahrzeugs so ruhig und elegant ist, dachten wir, dass dieser auberginedunkelrote Farbton perfekt passt. Mulberry Red wurde bewusst für unsere Premium-Modelle entwickelt, wie beispielsweise den Volvo ES90 und Volvo EX90.

  • Nahaufnahme einer dunkelroten Pflanze
  • Nahaufnahme einer dunkelroten Anturie und roter Beeren
  • Schwedische Schärenlandschaft im Licht des roten Sonnenuntergangs

Was war die Inspiration zu dieser Farbe?

C: Zum einen lassen wir uns von Mode- und Produktdesigns inspirieren, schauen, was ist im Kommen, und ebenso, welche Farben eine gewisse Beständigkeit haben. Wichtig dabei auch: Wie sind sie konnotiert, also was verbindet man mit diesen Farben, ob unterbewusst oder vielleicht auch historisch gewachsen. Und das warme Maulbeerrot ist ein Farbton, der auch in der Mode und im Einrichtungsdesign mit High- End-Fashion und edler Eleganz verbunden ist. Eine Farbe mit einer dezent femininen und gleichzeitig trendigen Ausstrahlung. Zusammen mit Grau oder auch hellen Farbtönen ist sie wunderbar kombinierbar.


Und natürlich lassen wir uns immer viel von der Natur inspirieren. Ich denke, das ist eine Art Basis für skandinavisches Design. Das Licht und die Farben, die wir in der Natur um uns herum haben, beeinflussen uns sehr. Im schwedischen Spätsommer färbt sich das Heidekraut violett, überall leuchtet die Landschaft dann in einem warmen gedeckten Farbton. Die feine Balance aus Rot und Violett und die Ruhe, die sie ausstrahlt, hat uns inspiriert.


In Aurora Silver dagegen hat das Fahrzeug gleich eine andere Ausstrahlung.

C: Ja, hier wollten wir etwas Geheimnisvolleres hineinbringen und einen digitaleren Ton schaffen, der zudem auch geschlechtsneutral sein soll. Durch den deutlich blaueren Farbanteil hat dieser Lack eine technische, geradlinige Ausstrahlung. Durch den Hauch Violett oder Lavendel bekommt er aber eine Extrakomponente, spannend und zudem etwas weicher. Aurora Silver passt als Farbton perfekt in die digitale Welt – und daher auch besonders gut zu unseren vollelektrischen Modellen. Mit Mulberry Red und Aurora Silver haben wir zwei Farben geschaffen, die zwar kontrastreich sind, aber doch auch harmonieren.


Spielt das Zusammenspiel von Exterieur- und Interieur-Farben auch eine Rolle?

C: Wir denken das Auto als Ganzes. Die Außenfarbe ist oft das Erste, was eine Kundin oder ein Kunde wahrnimmt – und sie muss mit dem Innenraum harmonieren. Wir haben beim Volvo ES90 im Innenraum auf helle, natürliche Töne gesetzt, kombiniert mit dunklen, kontrastierenden Akzenten. Dazu warme Holzdekore – aber immer reduziert. Nichts soll ablenken. Jede Farbe, jedes Material hat seinen Platz und seine Funktion.

Cecilia Stark zwischen zwei Volvo Sitzen, deren Material sie befühlt.

Luxus zum Fühlen – anspruchsvolles Design verbunden mit einem haptischen Erlebnis. Bei der Entwicklung von Textilien stehen Qualität, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit im Vordergrund.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in eurer Arbeit?

C: Eine zentrale. Volvo hat sich klare Ziele gesetzt – etwa den wachsenden Einsatz recycelter Materialien. Für uns bedeutet das Innovation. Wir forschen nach neuen Stoffen, die nicht nur nachhaltig, sondern auch hochwertig und schön sind. Beispielsweise werden recycelte PET-Flaschen zur Herstellung von Textilien genutzt oder verwendetes Holz stammt aus verantwortungsvoller Forstwirtschaft. Wir arbeiten teils viele Jahre an bestimmten Materialien, bis sie perfekt sind und dann erst zum Einsatz kommen. Wie unser Sitzstoff Nordico. Lederfrei, leicht, reduzierter CO2-Fußabdruck bei absoluter Hochwertigkeit. Nachhaltigkeit darf nicht wie ein Kompromiss wirken – sie ist ein Gestaltungselement.


Für die Zukunft glaube ich, dass die gesamte Branche mehr und mehr über Kreislaufwirtschaft, Recycling und Nachhaltigkeit sprechen wird, und das wird sich natürlich auch langfristig auf das Interieur-Design im Ganzen auswirken.


Siehst du hier noch einen weiteren Trend für die Zukunft?

C: Ich denke, diese Beruhigung, die uns bei Volvo schon lange wichtig ist, ist auch ein Trend. Dass man sich im Autoinnenraum ruhig und sicher fühlt. Natürlich arbeiten wir viel mit Sicherheit. Selbst Farben wollen wir so ruhig gestalten, dass man sich ohne Ablenkung auf die Straße konzentrieren kann. Das Auto als einen Raum zum Energiesammeln zu verstehen, wird noch bedeutsamer werden.

Nahaufnahme von verschiedenen Materialproben und einem Stimmungsbild zur Farbfindung beim Volvo ES90

Als Senior Design Manager CMF (Colour, Material, Finish) – Vision & Specialist Lead Team ist Cecilia Stark auch Expertin für Markendesign, Strategien und Zukunftsvisionen.

Was unterscheidet die Designentwicklung einer Farbe in der Automobilbranche zum Beispiel von der in der Modebranche?

C: Wir haben durchaus ähnliche Informationen wie Designer in der Mode- oder Möbelbranche, gehen auf Messen oder Seminare. Es ist nur so, dasswir viel längere Vorlaufzeiten haben. Wir arbeiten nicht für die nächste Saison oder für das nächste Jahr, sondern sehr viele Jahre im Voraus. Wir übersetzen sozusagen die Mode und das, was man bei Möbeln und anderen Dingen sieht, in das, was das für eine Automarke bedeuten würde, weil unsere Farben natürlich gedeckter sein müssen. Und sie müssen wirklich zu den Formen der Autos, die wir entwerfen, passen – und natürlich auch zuden Markenwerten und dem, wofür wir stehen. Es geht also nicht nur darum, eine Farbe auszuwählen, sondern sie so zu gestalten, dass sie zu unseren Autos passt.


Und woher nimmst du als Designerin persönlich deine Inspiration?

C: Ich bin ständig am Beobachten – in der Kunst, Kultur, Mode, aber natürlich auch in der Natur. Farben, Materialien, Gerüche, Licht – all das bleibt irgendwo im Kopf. Oft ist es gar kein konkretes Bild, sondern ein Gefühl, das mich leitet. Wenn ich am Wochenende freihabe und in mein Sommerhaus gehen kann, ist das der beste Ort. Zurückgezogen in der Natur, dann kommen die Ideen. Es ist ja alles nichts Neues: Wenn man sich die Muster anschaut, ist alles in der Natur und in den Farben vorhanden, man muss es nur sehen. Und Menschen treffen. Ich höre zu – was Menschen brauchen, was sie schön finden, was sie bewegt.


Porträtfoto von Cecilia Stark

Cecilia Stark: Nach ihrem Abschluss Master of Fine Arts sammelte sie drei Jahre lang Erfahrung in der Textilindustrie. 2013 begann sie bei Volvo Cars im Bereich Farben und Materialien.

Wie sehr beeinflusst euch eigentlich die Forschung zu Märkten und Kundenerwartungen weltweit?

C: Sehr. Wir arbeiten eng mit unserem Global Research Team zusammen. Denn obwohl wir in Schweden designen, bauen wir Fahrzeuge für die ganze Welt. Die Geschmäcker sind verschieden: Während man in Europa trendorientiert und offen ist, in den USA etwas konservativer, schätzt man in China luxuriöses Interieur. Und so versuchen wir, die gemeinsamen Aspekte aus den Märkten hervorzuheben. Oder in einer Region wichtige Gestaltungselemente aufzugreifen und in skandinavisches Design zu übertragen. So spielt beispielweise in China Bambus in der Gesellschaft eine wichtige Rolle. Das haben wir aufgegriffen und es findet sich jetzt in Mustern unserer Holzdekore wieder. Das Faible der US-amerikanischen Kundschaft für mittlere Brauntöne floss in unsere Akzentfarbe Kardamom hinein. Unsere Aufgabe ist es, all das zusammenzubringen, ohne unsere Volvo Identität zu verlieren.


Das klingt nach einem Balanceakt. Wie gelingt es, dabei authentisch zu bleiben?

C: Indem wir immer mit unseren Werten beginnen. Volvo steht für Sicherheit, Verantwortung und ein Design, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Das vergessen wir nie. Aber wir sind auch neugierig, offen, anpassungsfähig. Wir machen keine Mode. Wir machen Design, das Bestand hat, und das für viele verschiedene Menschen – und deshalb muss es inklusiv sein.

»Geschmäcker sind verschieden: Während man in Europa trendorientiert ist, in den USA etwas konservativer, schätzt man in China luxuriöses Interieur.«

| Cecilia Stark, Senior Design Manager CMF bei Volvo Cars

Was bedeutet das für euer Selbstverständnis im Designteam?

C: Dass wir nicht für ein kleines, exklusives Segment gestalten. Design bei Volvo soll für alle funktionieren. Es ist demokratisch im bestenSinne: hochwertig, durchdacht, aber zugänglich. Gleichberechtigt eben. Ein gutes Auto muss sichrichtig und gut anfühlen – egal, woher man kommt oder wie viel man über Materialien weiß. Wenn Design intuitiv funktioniert, haben wir unseren Job gut gemacht.

Eine Hand zeichnet die Silhouette des Volvo EX30

Entdecken Sie mehr über nachhaltige Materialien und achtsames Design bei Volvo

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